Rund um den Schwielowsee
Die Havelländische Malerkolonie
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Rund um den Schwielowsee
Die Havelländische Malerkolonie

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die ländliche Region rund um den Schwielowsee zu einem beliebten Ausflugsziel. Auch Künstlerinnen und Künstler machten sich auf den Weg. Durch die Erschließung des Umlandes von Berlin und Potsdam durch Eisenbahn und Schifffahrt wurden die Seen, der Flusslauf der Havel sowie die Wälder und Wiesen der märkischen Landschaft zunehmend als bildwürdige Themen entdeckt.

Anders als in anderen Künstlerkolonien gab es in Ferch und rund um den Schwielowsee keinen festen Zusammenschluss von Malern. Sie kamen allein oder in kleinen Gruppen. 1928 wurde Ferch in einem Artikel der Potsdamer Jahresschau als ein märkisches Malerdorf bezeichnet. Tatsächlich erhielt Ferch seine Anerkennung als Künstlerort durch die beiden Maler Karl Hagemeister (1848–1933, 1898 Gründungsmitglied der Berliner Secession) und Carl Schuch (1846–1903). Beide gelten auch als Begründer der Havelländischen Malerkolonie. Hagemeister wurde in Werder (Havel) geboren und lebte von 1884 bis 1892 in Ferch, danach im nahegelegenen Entenfang bei Alt Geltow. Während seiner Wanderjahre hatte er den Wiener Künstler Schuch kennengelernt, der ihn in Ferch in den Sommermonaten der Jahre 1878, 1880 und 1881 besuchte. Gemeinsam erkundeten sie die Landschaft und deren Bewohner, malten in Ferch und in Kähnsdorf am Seddiner See.

Auch Theo von Brockhusen (1882–1919) ließ sich im Havelland zur Landschaftsmalerei anregen. Von 1906 bis 1918 kam er regelmäßig nach Baumgartenbrück, wo er immer wieder in seinen Panoramabildern die Stahlbogenbrücke darstellte, welche die alte Holzbrücke ersetzt hatte, um dem wachsenden Ausflugsverkehr standzuhalten.

Er quartierte sich im örtlichen Gasthaus bei Familie Herrmann ein, das bis heute existent ist. Weitere Gäste dort waren beispielsweise die Fotografin und Schriftstellerin Marie Goslich (1859–1938) sowie der Dichter und Schriftsteller Theodor Fontane (1819–1898). Das „Haus am See“ in Ferch, das von den Malern Carl Goebel (1866–1936, auch Gastwirt), Max Arenz (1868–1936) und Michel Weiß (1867–1951) als Malschule mit Studiengarten und Pension erbaut wurde, ist ebenfalls heute noch ein beliebtes Ausflugsziel.

Die zweite Generation havelländischer Maler kam vermutlich schon als Studenten der Landschaftsklasse von Professor Eugen Bracht (1842–1921) regelmäßig nach Ferch und Umgebung. Bracht lehrte von 1882 bis 1901 an der Hochschule für bildende Künste in Berlin.

Gemeinsam unternahmen sie, wie beispielsweise Hans von Stegmann und Stein (1858–1925), Gerhard Gisevius (1879–1961), Carl Kayser-Eichberg (1873–1964), Johannes Hänsch (1875–1945), Hans Licht (1876–1935) und Theodor Schinkel (1871–1919), zahlreiche Ausflüge, um direkt vor der Natur zu zeichnen und mit lockerem, breit angelegtem Pinselstrich zu malen. So lernten sie, spezifische tages- und jahreszeitliche Stimmungen einzufangen und sich von der genauen Bildwiedergabe zu lösen.

Anfang des 20. Jahrhunderts folgten ihnen weitere Kunstschaffende an den Schwielowsee, und bis heute schätzen künstlerisch Tätige diese Region mit den Orten Caputh, Ferch oder Geltow sowie der Stadt Werder als Inspirationsquelle.

2002 gründete sich der Förderverein Havelländische Malerkolonie e. V., um das künstlerische Wirken dieses Gebietes zu bewahren und die einzelnen Verbindungen der Künstler untereinander, ihre Freundschaften und Bekanntschaften zu erforschen. Das Museum in einem reetgedeckten Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert, das ortsbildprägend für das einstige Fischerdorf erhalten geblieben ist, konnte 2008 eröffnet werden (https://havellaendische-malerkolonie.de/). Die Havelländische Malerkolonie ist, ebenso wie die Künstlerkolonie Heikendorf, als Mitglied von euroart in ein Netzwerk eingebunden, welches 46 Künstlerkolonien im europäischen Raum verbindet. Aus der freundschaftlichen Kooperation Ferch/Heikendorf entstanden dann auch gleich zwei Ausstellungen: diese hier bei uns im Künstlermuseum und ein Gegenbesuch der Heikendorfer Künstlerinnen und Künstler in Ferch (08.08.2026–31.01.2027).

Eröffnung: Samstag, 6. Juni, 17 Uhr (Unkostenbeitrag: 1 Euro)
Ausstellungsdauer: 6. Juni bis 30. August 2026

Abbildung oben: Theo von Brockhusen, Blick vom Franzensberg Richtung Werder, 1914, Öl auf Leinwand
© Leihgabe der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam
Foto: Björn Gripinski

 

 

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